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140 | Vom Juckreiz unterdrückter Gefühle

„Denn die Wünsche und das Mögliche gehören zur Realität. Und der Antirealismus des Gefühls: Dass ich mich weigere, eine Realität, die nicht auf mich eingeht, zu akzeptieren, sondern sage, ich setze meine eigene Realität dagegen, dieser Eigensinn ist etwas, was für Menschen zum Realismus gehört. Realismus ist nicht Abbildung von Tatsachen.“ (Alexander Kluge im Interview … Weiterlesen …

139 | Der Trost des Vertrauten

„Nach dem Ausladen des Gepäcks öffnete sie (die Mutter, G.E.) alle Fenster und Türen und ließ die kühle Mailuft durchs Haus wehen. Sie schaltete das alte Radio an, Musik tönte über das Grundstück bis in den dahinter gelegenen Wald. Schön war es in dieser Welt, die sich nicht gleich veränderte, wenn man ihr mal kurz … Weiterlesen …

138 | Die Streu des Alltags

„Dies muss man benutzen, wenn man sie aus ihrer Erniedrigung hervorziehen will; man muss ihnen zeigen und vorrechnen, dass sie einem Staate angehören, dessen Lasten sie größtenteils tragen müssen, während andere den Vorteil davon beziehen …“ (Georg Büchner: Der hessische Landbote) Auch dieses Jahr zieht der Faschingszug wieder an unserem Haus vorüber und er wird … Weiterlesen …

137 | Die Platane von Villeblevin

„Wo gehobelt wird, da fallen Späne: Dieser Spruch war bei den Erbauern des Sozialismus sehr beliebt. Doch was, wenn man am Ende den Hobel weglegte und sah, dass auf dem ganzen Holzplatz nichts als Späne lagen?“ (Julian Barnes) Die ICE-Leute überziehen die USA mit Terror: Erst wurde die dreifache Mutter Renée Good, jetzt der Krankenpfleger … Weiterlesen …

136 | Über Anarchophobie

„Wieder versuchen. Wieder scheitern. Besser scheitern.“ (Samuel Beckett) Ein neues Tagebuch-Jahr beginnt mit der Einrichtung eines neuen Ordners. Da ich im Grunde immer noch ein digitaler Analphabet bin, brauche ich für so etwas eine ganze Weile. Nach einigen Fehlversuchen habe ich es geschafft, und nun kann es losgehen. Ich schreibe mit einer Wärmflasche im Schoß, … Weiterlesen …

135 | Meine innere Familie

„Vielleicht wird meine letzte Erkenntnis sein, dass es vergeblich war, dass ich meine Lebenszeit damit vertan habe, in einem dunklen Zimmer nach einer schwarzen Katze zu suchen.“ (Natascha Wodin: Die späten Tage) Selten habe ich meine eigene Lage in einem Buch derart präzise beschrieben gefunden, wie im neuen Roman von Natascha Wodin. Sie gehört wie … Weiterlesen …

134 | Kein Mitleid mit den Armen

„… das war zu einer Zeit, als die Menschen noch Dinge machten und Maschinen benutzten statt umgekehrt …“ (Richard Ford) Heute Abend tritt der Philosoph Richard David Precht zusammen mit der Schlagersängerin Helene Fischer in der Unterhaltungssendung „Klein gegen Groß“ auf. Ist es ein gutes Zeichen, wenn so etwas passiert? Oder ist es lediglich ein … Weiterlesen …

133 | Was ist das eigentlich: Stress?

„Mir kommt es so vor, als hätte ich immer schon gelesen, seit ich es kann, und seither ist mir auch jede andere Tätigkeit als Zeitverschwendung erschienen. Es ist, als ginge ich in etwas zu Grobes hinein (vor allem beim Kontakt mit Menschen), das ist vielleicht meine Todsünde: dass ich lese, um nicht leben zu müssen … Weiterlesen …

132 | Potemkinsche Schaufenster

„Der Schuhmachermeister Julius Kraus in Auffing wurde bis zum Ende seines langen Lebens fast immer übersehen. Er ging, wenn man so sagen darf, stets nur nebenher.“ (Oskar Maria Graf: Unruhe um einen Friedfertigen) Es ist an der Zeit, noch einmal an den Gefangenen zu erinnern, dem ich das Bild von der Gehirnantilope verdanke, die gelegentlich … Weiterlesen …

131 | Die Obsession der Reinheit

„Schwimmen zwei junge Fische des Weges und treffen zufällig einen älteren Fisch, der in der Gegenrichtung unterwegs ist. Er nickt ihnen zu und sagt: ‚Morgen, Jungs. Wie ist das Wasser?‘ Die zwei jungen Fische schwimmen eine Weile weiter, und schließlich wirft der eine dem anderen einen Blick zu und sagt: ‚Was zum Teufel ist Wasser?‘“ … Weiterlesen …