Götz Eisenberg

126 | Ein herrenloser Samurai

„Im allgemeinen haben meine Tagebücher freilich sehr geringen Wert: Zustände und Dinge kommen kaum darin vor, nur Gedanken-Gänge, und auch diese nur, soweit sie unreif sind. Es ist, als ob eine Schlange ihre Häute sammeln wollte, statt sie den Elementen zurückzugeben. Aber man sieht doch einigermaßen, wie man war, und das ist sehr notwendig, wenn … Weiterlesen …

125 | Das soziale Immunsystem

„So wies ich entschlossen eine Welt zurück, die mich selbst zurückgewiesen hatte.“ (Jean Genet) Der Sommer pausiert, seit einigen Tagen ist es deutlich kühler geworden. Dennoch sind wir gestern zur Lahn geradelt und eine Runde geschwommen. Ich hatte vom Markt grüne Bohnen mitgebracht, die wir uns danach zubereiteten. Dazu gab es eine Wildbratwurst und Kartoffeln. … Weiterlesen …

124 | Reprivatisierung gesellschaftlichen Risiken

„ ‚Heilen‘ in diesem Sinne und in dieser Gesellschaft bedeutet, Menschen an Zwecke, die sie verwerfen oder ihnen nichts gelten, anzupassen, sie (wieder) fügsam zu machen, ein Rad, das abgesprungen ist, wieder an den Wagen anzuschrauben. Nach diesem Schema arbeitet zum Beispiel die Psychoanalyse: Sie ist ein Zufluchtsritual.“ (Franca und Franco Basaglia: Befriedungsverbrechen) Seit ein … Weiterlesen …

123 | Zeichen auf der Haut

„Den Menschen dort (in New Orleans, G.E.) war anderes wichtiger als Produktivität und Effizienz, jene kläglichen Tugenden, die bewirken, dass die Menschen aneinander vorbeihasten und keinen Sinn mehr für die Aufmerksamkeiten und kleinen Freuden des Alltags haben.“ (Rebecca Solnit) Gestern sind wir am Nachmittag über Land in die Wetterau gefahren. Wir waren bei alten Freunden … Weiterlesen …

122 | Eine Ökonomie des Glücks

„In den sogenannten sozialen Medien, mehr und mehr ein Netzwerk der Asozialen, bereitet sich die totalitäre Staatsform der Zukunft vor.“ (Ralf Rothmann: Theorie des Regens) Anlässlich der bevorstehenden Verrentung von U erinnerte ich mich daran, dass ich zur Zeit meines eigenen Eintritts ins Rentenalter eine Kolumne geschrieben habe, die „Der Sprung aus der Hamstertrommel“ betitelt … Weiterlesen …

121 | In der kulturellen Wüste

„Die Erfahrungen der Eltern taugten unter den neuen Bedingungen nicht mehr. Damit war die wichtigste kulturelle Transmission zerstört: die der Generationen innerhalb der Familie. Und so befanden sich die Jungen, eben ins Leben Eintretenden in einer kulturellen Wüste.“ (Jacek Kuron) Einige „Abi-Motto-Vorschläge“ an einem Gießener Gymnasium sorgen für Aufregung. Bei der Wahl des Abitur-Mottos der … Weiterlesen …

120 | Der verschwundene Kirchturm

„Ich lebe in einer kranken Zeit, wie sollte ich nicht krank sein? Sie hat mich angesteckt.“ (Heinrich Heine) Anderntags fahre ich mit dem Rad an die Lahn. Es ist noch einmal sonnig und sommerlich warm. Schon in der Bootshausstraße höre ich die erste Nachtigall des Jahres. Ich steige vom Rad, um ihrem Gesang eine Weile … Weiterlesen …

119 | Psychopathenproduktion

„Die Globalisierung der Gleichgültigkeit hat uns die Fähigkeit genommen zu weinen!“ (Papst Franziskus) Dieser Satz von Franziskus wurde in einem der zahlreichen Nachrufe erwähnt. Er hat mich überrascht und berührt, weil ich ihn so aus dem Mund eines Papstes nicht erwartet hätte. Er trifft auch auf uns Linke zu, die wir oft mit dem Begreifen … Weiterlesen …

118 | Soziale Dunkelangst

„Ein Sechsjähriger steht vor dem Sarg seiner älteren Schwester. Ich spüre eine totale Ohnmacht angesichts dessen, dass ich und wir alle dieses Morden, diesen andauernden Terror, diesen Wahnsinn nicht anhalten können und weiteren Verbrechen zuschauen.“ (Katja Petrowskaja: Als wäre es vorbei  – Texte aus dem Krieg) Ich komme noch einmal auf das Thema „Kriminalität“ und … Weiterlesen …

117 | „Disziplinierte Wut“

„Ein Mensch, dem der Lebenssinn abhandenkommt, wird Selbstmord begehen. Eine menschliche Einrichtung, sei es eine Familie oder sei es ein Staat, die nur noch – und sei es bestens – funktioniert, aber die nichts darüber hinaus verbindet, die von keiner gemeinsamen Idee oder Vision oder ideellem Interesse getragen und verbunden ist, ist tot und wird … Weiterlesen …