„Die Zeitungslektüre am frühen Morgen ist eine Art von realistischer Morgendank. Man richtet sein Bewusstsein entweder auf die höchste Wirklichkeit oder auf die nächsten Verhältnisse dieser Welt, und im ersten Fall stimmt man sich durch die Zeitung … mit der Welt … ein.“
(Georg Wilhelm Friedrich Hegel)
In Gießen, einer mittelgroßen Stadt von 80.000 Einwohnern, existieren noch immer zwei Tageszeitungen, die inzwischen aber ein und demselben Eigentümer gehören. Ich fürchte, die Tage der kleineren der beiden, für die ich ein mal im Monate eine Kolumne schreibe, sind gezählt. Lange wird der Verlag sich den Luxus zweier Redaktionen nicht mehr leisten wollen. Die Auflagen beider Zeitungen sind in den letzten Jahren kontinuierlich gesunken, wie die aller Tageszeitungen. Die verkaufte Auflage der „Gießener Allgemeinen“ liegt bei circa 20.000 Exemplaren, der „Gießener Anzeiger“, eine der ältesten Tageszeitungen Deutschlands, die erstmals 1750 erschien, kommt noch auf gut 7.000 Exemplare. Das bedeutet ein Minus von 80 Prozent innerhalb der letzten 25 Jahre. Jeder ältere Bürger, der stirbt, bedeutet einen Abonnenten weniger. Das Erste, was die Hinterbliebenen tun, ist, die Zeitung abzubestellen. Das Ende der gedruckten Zeitungen ist absehbar. Wie man die Bedeutung der Vitamine erst entdeckt hat, als Mangelerkrankungen auftraten, werden wir die Funktion von redaktionell betreuten Zeitungen für eine demokratische Gesellschaft erst begreifen, wenn es zu spät ist und es nur noch Filterblasengeblubber gibt. Im Internet kann jeder jeden Bullshit als Nachricht ausgeben, da existiert keine Instanz, die eine Nachricht auf ihren Wahrheitsgehalt und ihre Stichhaltigkeit überprüft. Ungefiltert prallt die Flut sogenannter Nachrichten auf Menschen, deren Urteilskraft mehr und mehr ausgehöhlt wird. Der mit allen medialen Wassern gewaschene Mensch glaubt nicht etwa an nichts mehr, sondern an alles.
Bis vor vielleicht zehn Jahren unterhielten beide Gießener Zeitungen in der Innenstadt kleine Dependancen. Dort arbeiteten zwei oder drei Mitarbeiterinnen, die Anzeigen und Leserbriefe entgegennahmen und die aktuelle Ausgabe verkauften und manchmal auch verschenkten. Eigentlich dienten diese Außenstellen der Repräsentation. Wenn ein Artikel von mir in einer der beiden Zeitungen erschienen war, konnte ich mir dort ein Belegexemplar abholen. In beiden Zweigstellen hing draußen in Schaukästen die jeweils aktuelle Ausgabe aus. Davor sammelten sich Tag für Tag Rentner und Arbeitslose aus den näheren Umgebung, die mit auf dem Rücken gefalteten Händen die Meldungen über große und kleine Katastrophen, Lokalnachrichten und die Todesanzeigen studierten. Manchmal echauffierte sich einer lautstark über irgendeinen Artikel. Er habe schon immer gewusst, der für den fraglichen Artikel verantwortliche Redakteur tauge nichts und sei ein Trottel. Schlimmer wurden die Beschimpfungen selten. Die Schaukästen waren ein Treffpunkt – wie zum Beispiel auch die Schalterhalle der Post oder der Stehausschank der Tschibo-Filiale. Es wurde an diesen Orten viel herumschwadroniert und „Dummzeug gebabbelt“. Für das soziale Immunsystem der Stadt waren es wichtige Orte, von denen inzwischen kaum noch einer existiert. Was ist der Preis für dieses Verschwinden städtischer Öffentlichkeit, deren Existenz vom Vorhandensein solcher Orte abhängt? Es schwinden Orte, an denen man der Stadtgesellschaft den Puls fühlen konnte. Die Zeitungslektüre war das Morgengebet der bürgerlichen Gesellschaft. Diese wird mit jener vergehen. Zurück bleibt die digitale Verblödung.
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„Man blickt im Geiste um sich: lauter Tote, lauter Ermordete – es ist grauenhaft. … Das ist die Revolution, der ich entgegengejauchzt habe. Nach einem halben Jahr ein Bluttümpel: mir graut.“
(Erich Mühsam – aus dem Zuchthaus Ebrach zum blutigen Ende der bayerischen Revolution)
Auf dem Rückweg vom Botanischen Garten wollte U eine Überweisung tätigen, um eine Schuld zu begleichen, die ihr unangenehm war. Ich setzte mich vor der Sparkasse auf eine Bank, um auf sie zu warten. Plötzlich entdeckte ich, dass ich neben einem Hakenkreuz saß, das jemand in das Holz geritzt hatte. Ich stand auf, weil ich die Nähe dieses Zeichens nicht ertrug. Ich hatte in den letzten Tagen eine Art filmisches Tagebuch aus dem Jahr 1933 in Berlin gesehen, das mir die Schrecken des NS-Regimes wieder einmal unter die Haut getrieben hat. In der Nacht auf den 28. Februar 1933 wurde Erich Mühsam von SA-Männern überfallen und ins KZ-Oranienburg gebracht, wo man ihn nach langen Torturen im Juli 1934 ermordete. Man prügelte ihn zu Tode und hängte ihn dann auf dem Abort auf, um es wie einen Suizid aussehen zu lassen. Seit meiner intensiven Beschäftigung mit der Münchner Räterepublik, die im dritten Band meiner „Sozialpsychologie des entfesselten Kapitalismus“ unter der Überschrift „Der kurze Frühling der Anarchie“ enthalten ist, fühle ich mich Erich Mühsam sehr verbunden.
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Chronik der Gewalt. Am Freitag, dem 17. Juli 2026, kam es in einem Zug in der Nähe von Karlsruhe im Kontext einer Fahrkartenkontrolle zu einer Auseinandersetzung mit einem Fahrgast. Der 36-jährige Mann soll sich geweigert haben, seine Personalien anzugeben und den Zug zu verlassen. Laut Ermittlern schlug er mit Fäusten auf den Sicherheitsmitarbeiter ein und trat nach ihm. Während des Gerangels prallten beide mehrfach gegen eine Zugtür. Die Tür öffnete sich dabei und der Bahnmitarbeiter stürzte aus dem mit rund 120 Kilometer pro Stunde fahrenden Zug. Man fand ihn schwer verletzt neben den Gleisen. Nach bisherigen Erkenntnissen soll der Tatverdächtige alkoholisiert gewesen sein. Obwohl wegen Gewaltdelikten vorbestraft, wurde der 36-jährige Tatverdächtige inzwischen wieder auf freien Fuß gesetzt. Das zuständige Amtsgericht lehnte den Erlass eines Haftbefehls ab. Das müssen Bahnmitarbeiter als einen weiteren Stoß aus einem fahrenden Zug empfunden haben. Bei der Bahn zu arbeiten, ist inzwischen ein gefährlicher Job. In Zügen und auf Bahnhöfen hat es im Jahr 2025 in Deutschland nach Angaben der Bundespolizei mehr als 5.600 gewaltsame Angriffe auf Beschäftigte gegeben.
Uniformträger waren lange Zeit für Jugend und Volk eine wirksame Quelle der Einschüchterung. Noch in meiner Jugend, also in den 1950er und frühen 1960er Jahren, empfand ein Junge in der Regel Herzklopfen, wenn er einen Polizisten sah – jedenfalls ein leidlich erzogener. Es war noch immer, wie es Heinrich Mann in seinem Roman „Der Untertan“ beschrieben hatte: Sobald Diederich Heßling am Horizont einen Polizisten auftauchen sah, musterte er all seine Handlungen durch und fragte sich, was er sich hatte zuschulden kommen lassen. Diesen Zeiten sollte man nicht nachtrauern, aber das, was inzwischen an die Stelle dieser Autoritätshörigkeit getreten ist, ist keine Aufhebung im Sinne Hegels, sondern die bloße Negation eines üblen Zustands: der Umschlag von Untertanenmentalität in Anomie und Respektlosigkeit.
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FIFA-Präsident Gianni Infantino allein verursachte während der Fußball-WM durch Reisen mit seinem Privatjet schätzungsweise 813 Tonnen CO₂. Er legte dabei rund 93.524 Kilometer zurück, was mehr als zweieinhalb Erdumrundungen entspricht. Zum Vergleich: Ein Mensch in Deutschland verursacht im gesamten Jahr im Schnitt etwa 10 Tonnen CO₂, und das ist schon schlimm genug und viel zu viel.
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Vor ein paar Tagen sah ich auf Arte eine eindrucksvolle Dokumentation mit dem Titel: „Hitler und Stalin: Porträt einer Feindschaft“. Sie sind sich nie begegnet und waren doch intensiv aufeinander bezogen. 1913 lebten sie ein Zeit lang gleichzeitig in Wien und gingen täglich im Park von Schönbrunn spazieren. Dort hätten sie sich begegnen können, der bolschewistische Exilant und der verkannte Kunstmaler, der in einem Männerwohnheim lebte. Der Film von Ullrich H. Kasten und Hans-Dieter Schütt aus dem Jahr 2009 präsentiert nicht nur interessante und selten gesehene Bilder, sondern verbindet sie auch durch einen klugen Kommentar. Die Mediathek bietet den Film unter dem etwas fragwürdigen Titel „Hitler und Stalin – Pokerspiel um den totalen Sieg“ noch ein Jahr lang an.
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Heute vor 15 Jahren, also am 22. Juli 2011 zündete der 32-jährige Norweger Anders Behring Breivik zunächst im Regierungsviertel in Oslo Bomben, wobei acht Menschen ums Leben kamen. Dann fuhr er zur Insel Utoya und eröffnete das Feuer auf Jugendliche, die dort ihre Ferien in einem Lager der Norwegischen Arbeiterpartei verbrachten. Im Laufe von 60 Minuten erschoss er dort 69 Jugendliche. Fünf Jahre später und Breivik zu Ehren eröffnete in einem Münchner Einkaufszentrum ein 18-jähriger Deutsch-Iraner das Feuer und tötete neun Menschen, überwiegend migrantische Jugendliche. Ich habe mich zu beiden Taten ausführlich geäußert und möchte das hier nicht wiederholen. Der Text zu Breivik hat Eingang gefunden in den ersten Band meiner „Sozialpsychologie des entfesselten Kapitalismus“, der 2015 unter dem Titel „Zwischen Amok und Alzheimer“ im Verlag Brandes&Apsel erschienen ist. Meinen Kommentar zu den Münchner Ereignissen, der zugleich eine Bilanz meines damaligen Kenntnisstandes zum Thema „Amok“ darstellt, findet man hier: http://georg-buechner-club.de/content/artikel/von-orlando-bis-m-nchen-amok-oder-terror
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Gestern Abend haben U und ich gemeinsam den Film „Alles außer gewöhnlich“ gesehen. Vincent Cassel und Reda Kateb spielen Bruno und Malik, die in einer Einrichtung für autistische Kinder und Jugendliche arbeiten, die sonst nirgends Aufnahme finden und durch sämtliche behördlichen Raster fallen. „Arbeiten“ ist das falsche Wort für das, was Bruno und Malik tun: Sie geben sich selbst und springen als Menschen Tag und Nacht in die Bresche. Jetzt wird ihnen bürokratisch nachgestellt und ihre Legitimation und Qualifikation in Frage gestellt. Ein sehenswerter Film mit grandiosen Darstellern, den die Arte-Mediathek leider nur ein paar Tage lang anbietet.
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„Die Freunde, die hier sich trafen und umarmten, sind fort. Jeder zu seinen eigenen Fehlern.“
(W. H. Auden: The Crossroads)
Gestern traf ich an der Badestelle Philipp, der mal Bassist der legendären Punkband „Boxhamsters“ gewesen ist. Deren Gründer und Sänger Martin war lange Jahre mein direkter Nachbar. Lange Abende und ganze Nächte haben wir gemeinsam Creedence Clearwater und The Who gehört und ziemlich viel Bier dazu getrunken. Ich erzählte Philippe, als er nach einem Bad aus dem Wasser stieg, dass ich unlängst ein Interview mit den „Sportfreunden Stiller“ gesehen habe, in denen sie die Bedeutung der Boxhamsters für ihre jungen Jahre betont haben. Philipp hatte es aber eh bereits gehört, und das ist alles lange her und vorbei. Die Bandmitglieder von einst haben sich getrennt und zerstritten. Er bestieg dann sein Rad, weil er seine Mutter ins „Gießkannen-Museum“ begleiten wollte, das es in Gießen tatsächlich gibt. Ich hockte noch eine Weile auf der Treppe und hatte das Glück, einen Eisvogel zu sehen, der in rasendem Tempo über den Fluss flog. Voller Erinnerungen und ein wenig melancholisch fuhr ich dann in die Stadt zurück.
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Als wir gestern sahen, welche Einwechselspielerinnen und -spieler Friedrich Merz für die ausgeschiedenen oder umgesetzten Minister ins Spiel brachte, mussten U und ich spontan lachen. Amthor und Linnemann – zwei Pennäler in ihren Konfirmationsanzügen, und eine von den Strapazen der sogenannten Gesundheitsreform sichtlich gezeichnete Nina Warken, mit tiefen Ringen unter den Augen und Tics. Wie Merz mit dieser Truppe das Spiel herumreißen will, bleibt sein Geheimnis. Amthor und Linnemann, die Milchgesichter, versuchten krampfhaft, sich durch Zusammenkneifen der Lippen etwas Kaltblütig-Entschlossenes zu geben. Amthor schaute nach oben, als erwarte er von dort Inspiration und Beistand. Die Rochade erinnert an die hilflosen Bemühungen von Bundestrainer Julian Nagelsmann, bei der erneut verkorksten WM durch Auswechslungen noch etwas zu reißen. Angesichts des Zustandes der Bundesregierung lässt dieser Austausch von ein paar Figuren an den Versuch denken, einen Krebskranken mit einem Hühneraugenpflaster zu kurieren. Das war einmal die Karl-Kraus-Definition von Sozialdemokratie, die aber auch auf die CDU zutrifft. Linnemann hat übrigens vor einem Jahr, als man hin zum CDU-Generalsekretär gemacht hatte, vor laufenden Kameras gesagt, er gebe ganz sicher einen schlechten Gesundheitsminister ab, zu dem er nun ernannt worden ist. Aber was stört einen angesichts der allgemeinen Vergesslichkeit das dumme Geschwätz von gestern?
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Am Sonntagmorgen bin ich so gegen 6 Uhr zur Lahn geradelt. Die Sonne war noch nicht über den Bäumen am Lahnufer aufgestiegen, die Morgendämmerung lag noch über allem. Es war sonntäglich still. Ich konnte die Ampeln getrost ignorieren, es waren noch keine Autos unterwegs. Ein Reiher lauerte auf einer Wiese vor einem Mauseloch. Als ich in den Weg einbog, der zum Steg hinunterführt, scheuchte ich einen Grünspecht auf, der ärgerliche Pfiffe ausstieß. Ich setzte mich erst mal auf die Treppe und sah auf den Fluss. Blätter trieben auf ihm dahin. Eine Entenfamilie zog im Konvoi Richtung Marburg, ein Eisvogel flitzte dicht über dem Wasser an mir vorüber. Noch immer war die Sonne im morgendlichen Dunst verborgen. Als sie plötzlich zwischen den Bäumen aufblitzte und ihre ersten wärmenden Strahlen auf mich fallen ließ, zog ich mich aus und stieg ins Wasser, das in den letzten Tagen merklich kühler geworden ist. Ich schwamm ein paar Züge, stieg wieder heraus und trocknete mich ab. Zwei Hundebesitzer waren auf dem Uferweg aufeinander getroffen und unterhielten sich. Die Frau erzählte, dass sie im Zuge einer Ernährungsumstellung acht Kilo abgenommen habe. Ihr temperamentvoller Hund tollte derweil umher und verschwand im Schilf. Sie rief ihn herbei und ging weiter. Meine vom Bad klammen Finger und Hände steckte ich in wärmende Handschuhe, die ich vorsorglich eingesteckt hatte. Auf dem Bootshausweg begegnete ich einem Mann mit Hund, den ich aus dem Gefängnis kenne. „Wie geht‘s ihnen, Herr Eisenberg?“, grüßte er freundlich und rief seinen Hund zu sich, der sich mir neugierig genähert hatte. Es war ein gefährlich anmutender Kampfhund und ich war froh, dass W mir die nähere Bekanntschaft mit ihm ersparte. Vor der Bäckerei am Marktplatz machte ich halt und erstand für U und mich Brötchen und Croissants fürs Frühstück. Die Stadt hat offenbar Anweisung gegeben, auch am Sonntagmorgen die Fußgängerzone zu säubern. Orangegekleidete Männer waren mit Besen unterwegs, eine Kehrmaschine zog ihre Bahnen. Um halb acht kam ich zu Hause an. U schlief noch und ich legte ihr ein Croissant vor die Tür, zusammen mit einem Roman der italienischen Autorin Nadia Terranova, der den vielversprechenden Titel trägt: „Der Morgen, an dem mein Vater aufstand und verschwand“. Ich hatte ihn dem öffentlichen Bücherschrank entnommen.
Durch mein frühes Aufstehen gerät mein Zeitgefüge durcheinander. Manchmal habe ich das Gefühl, etwas, das ich am Vormittag getan habe, habe schon am Vortag stattgefunden. Im Winter schlafe ich mitunter bis neun Uhr, jetzt ist um sechs Uhr die Nacht rum und ich stehe auf. Dann habe ich um 12 Uhr mittags bereits sechs Stunden hinter mir. Da verliert man sein übliches Zeitgitter.
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Chronik der Gewalt. Als in Berlin am Samstag der Christopher Street Day gefeiert wurde, fuhr gegen 22 Uhr am Tiergarten ein Autofahrer in die Menge der Feiernden. Eine Person kam ums Leben, mindestens 29 weitere wurden teils schwer verletzt. Einige von ihnen schweben noch in Lebensgefahr. Das Tatauto prallte schließlich gegen einen Baum, der Fahrer verließ das Fahrzeug und floh zu Fuß. Auf seiner Flucht soll er mit einer Stichwaffe weiter auf Besucher des CSD eingestochen haben. Nach ihm wird mit Hochdruck gefahndet. Tatverdächtig ist der 21-jährige Abdul B, der das Fahrzeug angemietet haben soll. Er ist polizeibekannt und wird der islamistischen Szene zugerechnet. Für Putin, die AfD und Islamisten ist der CSD der Inbegriff alles Schrecklichen. Hundertausende stellen leicht bekleidet und zu ohrenbetäubenden Techno-Klängen ihre Andersartigkeit zur Schau. Da geht Islamisten und Faschisten „das Messer in der Tasche auf“. Sehr früh hat eine Berliner Punkerin den Mechanismus beschrieben, der hier einrastet. Mit ihrem schrillem Outfit und bunten Haaren stieg sie in ein Taxi und wurde vom Fahrer gefragt: „Wat bist‘n du für eene?“. Sie antwortete ihm: „Gestatten, ich bin Ihr Trieb!“ Das, was der angepasste Bürger, der Islamist und andere Normopathen krampfhaft in sich niederhalten, setzen sie aus sich heraus und bekämpfen es dort am Anderen, der oft einer Minderheit angehört. Das ist der faschistische Ur-Mechanismus der „pathischen Projektion“, wie Horkheimer und Adorno das genannt haben, der so immer noch funktioniert und gestern in Berlin vermutlich mal wieder eingerastet ist.
Anderntags bekam die Polizei einen Tipp und konnte den Gesuchten in einer Kleingartensiedlung in Spandau stellen. Als der Mann mit einer Stichwaffe auf die Beamten losgehen wollte, erschoss die Polizei den Mann. Die Frage muss erlaubt sein, ob es keine andere Möglichkeit gegeben hat, den Mnn außer Gefecht zu setzen?
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„Er (John Ford, G.E.) führte uns in sein Zimmer und zeigte auf den Stapel von Drehbüchern, die ihm immer noch geschickt wurden. ‚Es sind schöne Geschichten darunter, einfach und klar. Man braucht solche Geschichten.“
(Peter Handke: Der kurze Brief zum langen Abschied)
Vor ein paar Tagen sah ich auf Arte mal wieder John Fords filmisches Testament „Der Mann, der Liberty Valance erschoss“. Einst habe ich ihn schlicht als Western gesehen, nun nahm ich diesen Film anders wahr: als eine Art Grundkurs in Sachen Rechtsstaat, Demokratie und sinn- und gemeinschaftstiftender Erzählungen. Den jungen Anwalt Stoddard, gespielt von James Stewart, verschlägt es nach Shinbone, wo reiche Viehzüchter und deren brutale Handlanger das Sagen haben. Stoddard kommt frisch von der Universität und hat den Kopf voller idealistischer Flausen. Er glaubt an Recht, Gesetz und Bildung und macht sich damit zum Gespött. Bald macht er Bekanntschaft mit Liberty Velance, dem schlimmsten und brutalsten der Handlanger der großen Viehzüchter. Die ganze Stadt zittert vor ihm und seiner Gewalttätigkeit. Die anständigen Bürger können sich seiner nicht erwehren und unterwerfen sich seinem Schreckensregiment. Schließlich fordert Liberty Stoddard zum Zweikampf. Zum größten Erstaunen aller tötet dieser Liberty, auch zu seinem eigenen Erstaunen. Bis er erfährt, dass in Wahrheit der alte Haudegen und Grobian Tom Donyphon, gespielt von John Wayne, ihn erschossen hat und ihn lediglich glauben ließ, er habe ihn erschossen. Der Ruf, der Mann zu sein, der Liberty Valance erschossen hat, beschert Stoddard eine große Berühmtheit und politische Karriere, die ihn bis zum Senator aufsteigen lässt. Als er als solcher noch einmal nach Shinbone zurückkehrt, um an der Beerdigung von Tom Donyphon teilzunehmen, und bei dieser Gelegenheit dem alten Zeitungsmann die wahre Geschichte der Tötung von Liberty Valance erzählt, wirft dieser seine Notizen am Ende in den Papierkorb und sagt: „Wenn die Wahrheit über die Legende herauskommt, drucken wir trotzdem die Legende.“ Die Legende ist zu einer die Demokratie wahrenden und schützenden Wahrheit geworden. Solche Erzählungen, Mythen und Legenden brauchen wir, weil sie lebensdienlich sind und demokratischen Zusammenhalt stiften. Das Recht kommt ohne Gewalt nicht aus. Im Wegsehen und falsch verstandener Toleranz drückt sich die Ohnmacht der serialisierten und pazifizierten Bürger aus, die verschreckt und hilflos auf den Einbruch roher Gewalt in den Alltag reagieren. Die Banden und rechten Schlägertrupps unserer Tage leben von und weiden sich an der Ohnmacht einer zivilen Gesellschaft, die die Gewalt aus ihrem Körperausdruck entfernt und an den Staat und die Polizei delegiert hat. Wir können uns einfach nicht wehren, wenn wir auf zu allem entschlossene, brutale Schläger und harte Gewaltkerne treffen. Das ist, wenn man so will, das Vermächtnis von John Ford, auf das wir uns gerade heute, wo die Skrupellosigkeit der Besitzenden und ihrer medialen Handlanger uns einschüchtern will und faschistische Kräfte in rechtsstaatlicher Verkleidung die Demokratie attackieren, besinnen sollten. Das nennt man „wehrhafte Demokratie“: eine demokratische Gesellschaft, die sich ihrer Haut zu wehren weiß.
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„Es ist nicht einfach, ein einzelner zu sein.“
(Wilhelm Genazino: Mittelmäßiges Heimweh)
Wenn ich von der Badestelle zurück in die Stadt fahre, komme ich an einem hüfthohen Strauch vorüber, der einsam am Wegesrand steht. Die Arbeiter des Gartenbauamts, die hier regelmäßig zum Mähen kommen, haben ihn stehen lassen und um ihn herumgemäht. Als hätten sie Robert Walsers Bemerkung über den Knaben gelesen, der ein Blatt mit der Rute vom Zweig herunterschlägt, weil es ihm als vereinzeltes auffiel, und sie einen Beitrag zum Kampf gegen den mikroskopischen Faschismus leisten wollten. Ich bin ihnen dankbar für diese kleine Geste des Widerstands.
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„Das Wort Familienbande hat einen Beigeschmack von Wahrheit.“
(Karl Kraus)
Als ich neulich tagelang dem Wettlesen in Klagenfurt gelauscht habe, wurde ich irgendwann auf einen Roman von Leon Engler aufmerksam gemacht, der „Botanik des Wahnsinns“ heißt. Engler hat 2022 aus dem noch unfertigen Buch in Klagenfurt gelesen und den Publikumspreis gewonnen. Er taucht tief ein in die Geschichte seiner Familie, die eine Ansammlung von Verrückten ist. Es ist, als würde der Wahnsinn von einer Generation zur anderen weitergegeben, psychisch vererbt. Mit einer gewissen Folgerichtigkeit wird Engler Psychologe und beginnt in einer psychiatrischen Anstalt zu arbeiten. Es schien ihm dann doch angebrachter, sich um Verrückte zu kümmern, als selbst verrückt zu werden. Was sich im Übrigen nicht unbedingt ausschließt. Sein Interesse gilt der „Schattenwelt“ C.G. Jungs, dem Reich der abgedrängten und in den seelischen Untergrund verbannten Wünsche, dem nicht gelebten Leben. Psychiater wie Emil Kraepelin schickten sich Ende des 19. Jahrhunderts an, nach dem Vorbild des Botanikers Carl von Linné Ordnung ins Gewimmel der psychischen Abnormitäten zu bringen und die Krankheiten zu klassifizieren. Diagnostizieren entspricht also zunächst einmal dem Ordnungsbedürfnis der Menschen, dem Bedürfnis, in einem bisher undurchschaubaren, chaotischen, freien, vielleicht auch sozial gefährlichen und angstauslösenden Bereich Ordnung zu schaffen durch Einordnen und Klassifizieren. Der andere Anspruch des Diagnostizierens besteht darin, Handlungsanweisungen bereitzustellen: das heißt durch Rückführung von Symptomen auf den zugrundeliegenden Krankheitsprozess und die Krankheitsursache werden nicht nur die Bedingungen für die Prognose des Verlaufs geschaffen, sondern auch für die Beseitigung der Krankheitsursache und damit für Therapie und Heilung. So zumindest die Idee, die allerdings im Alltag der Anstalten und des Medizinsystems häufig zuschanden wurde. Max Horkheimer hat auf den Entlastungscharakter des Benennens und Diagnostizierens in seinem frühen Buch „Dämmerung“ hingewiesen: „Beim Gang durch ein Irrenhaus wird der schreckliche Eindruck, den der Laie von dem Tobsüchtigen empfängt, durch die sachliche Feststellung des Arztes beschwichtigt, dieser Patient befinde sich eben in einem ‚Erregungszustand‘. Durch die wissenschaftliche Einordnung wird der Schrecken über das Faktum gewissermaßen als unangebracht hingestellt. ‚Nun – es handelt sich eben um einen Erregungszustand‘.“ Allen, die im medizinischen, psychologischen oder psychiatrischen Bereich arbeiten, sei das Buch von Leon Engler ans Herz gelegt. Es taut eingefrorene Prozesse auf und regt zum Nachdenken an. Die leitende Psychologin der Anstalt, in der die Hauptfigur des Romans arbeitet, sagt während seiner Einarbeitungszeit eines Tages zu ihm: „Die Psychiatrie ist ein Scheißort. Aber es gibt keinen besseren für die Patienten. Das sind oft Menschen, die von Anfang an nicht willkommen waren auf dieser Welt und sich darum manchmal eine eigene schaffen.“ Sie rät ihm: „Neugierig bleiben. Ich muss jetzt aber weiter. Die Versammlung hat vor fünfzehn Minuten begonnen. Am Ende ist das Wichtigste die Beziehung. Also sei einfach kein Arschloch.“ So eine Praxisanleiterin kann man jedem Neuling nur wünschen. Als der Erzähler, den ich wahrscheinlich unberechtigter Weise mit Leon Engler ineinsgesetzt habe, sich nach einem Jahr aus der Psychiatrie verabschiedet, trifft er die leitende Psychologin ein letztes Mal. „Und? Wie hat es dir hier gefallen?“ „Ich habe überlebt.“ „Glückwunsch. Das können nicht alle von sich behaupten.“ Die Wiener Heil- und Pflegeanstalt „Steinhof“, die in der Familiengeschichte des Erzählers eine zentrale Rolle spielt, kenne ich aus Romanen und Essays von Gehard Roth und autobiographischen Erzählungen von Thomas Bernhard. In seinem Buch „Wittgensteins Neffe“ ist der Steinhof der Ort der Handlung. Ende der 1960er Jahre war Thomas Bernhard wegen seines Lungenleidens auf dem Gelände untergebracht, Paul Wittgenstein in einem Pavillon der Psychiatrie ein paar hundert Meter weiter. In typischer Bernhard-Manier heißt es: „Der psychiatrische Arzt ist der inkompetenteste und immer dem Lustmörder näher als seiner Wissenschaft. Mein ganzes Leben habe ich vor nichts mehr Angst gehabt, als in die Hände von psychiatrischen Ärzten zu fallen …“
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Heute Morgen hat die schon spürbare Hitze des Tages mich zeitig aus dem Bett getrieben. Erst drehte ich mich nochmal um und versuchte, in den Schlaf zurückzufinden. Als das nicht klappte, beschloss ich, zur Lahn zu fahren und schwimmen zu gehen. Weil ich in den letzten Tagen irgendwo gelesen habe, wie viel Wasser eine einzige weggeworfenen Kippe vergiften kann – es ist eine erschreckend und unglaublich große Menge – beschloss ich, die Kippen am Steg und rund herum aufzusammeln und richtig zu entsorgen. Ich hatte dafür eigens eine kleine Tüte mitgebracht, die ich als Handschuh verwendete. Es kamen auf den wenigen Quadratmetern circa dreißig Kippen zusammen, nebst allerhand anderem Kram, zum Beispiel ein gebrauchtes Heftpflaster und etliche Zigarettenschachteln. Danach hockte ich mich auf die Leiter und schaute zu, wie der Fluss dahinfloss. Das ruhig strömende Wasser ließ mich selbst ruhig werden. Die Sonne stieg langsam über den Bäumen am gegenüberliegenden Ufer auf. Als der Fluss sonnenbeschienen war, stieg ich hinein und schwamm. Als ich mich abtrocknete, schoss ein Eisvogel vorüber. Auf dem Rückweg holte ich an unserem Obststand eine von U bestellte Tüte mit Pfirsichpflaumen ab. Ihr Name stand auf der braunen Papiertüte, die früher in Butzbach im Knast geklebt wurden. Heute erledigen das Maschinen oder Arbeiter irgendwo in Asien noch billiger. Zwei Brötchen und eine Schale mit Tomaten komplettierten meinen Einkauf. U war gerade dabei, ihr Fahrrad zu besteigen. Ich drückte ihr die Tüte mit den Pflaumen in die Hand und wir stiegen gemeinsam die Treppe zu unseren Wohnungen hinauf. Wir trafen uns dann auf meinem schattigen und noch angenehm kühlen Balkon zum Frühstück. U findet es faszinierend, dass man von dort aus die Straße im Blick hat und was man dort alles beobachten kann. Sie zählte die wenigen Menschen ohne Smartphone in der Hand. Zu ihren Erstaunen gab es doch einige. Dann zog sie sich fluchend an ihren Schreibtisch zurück, um die vermaledeite Steuererklärung zu Ende zu bringen. Den Rest des Vormittags quälte mich ein Pfeifton in Tinnitushöhe, der einfach nicht aufhören wollte. Ein Pfeifton, bei dem man lange nicht sicher ist, ob er von außen oder von innen kommt. Bis das Gerät, das den Ton absondert, endlich abgeschaltet wird.
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Gianni Infantino plant, die Fußball-WM an private Investoren zu verscherbeln, um noch mehr Gewinn aus ihr schlagen zu können. Diese Idee hat er vermutlich mit seinem Spezi Donald Trump ausgeheckt. Wenn diesem Mann nicht bald das Handwerk gelegt wird, wird er den Fußball vollends zugrunde richten. Er regiert die FIFA nach Art eines Mafia-Bosses.
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Seit ziemlich genau fünf Jahren schreibe ich nun für das Internetportal „Telepolis“, zu dem ich gelangt bin, seit ich nicht mehr für die „Nachdenkseiten“ schreiben wollte, weil diese in der Corona-Zeit ins Lage der Verschwörungstheoretiker und Schwurbler abgedriftet waren. Außerdem war und bin ich mit deren Haltung zu Russland und dem Ukraine-Krieg nicht einverstanden. Wolfgang Lieb und Joke Frerichs, die mich etwa um das Jahr 2010 zu den Nachdenkseiten geholt hatten, waren nach einem Zerwürfnis mit Albrecht Müller dort ausgeschieden, und damit fehlten mir meine Ansprechpartner und Bezugspunkte. Rund 50 Beiträge habe ich inzwischen für Telepolis geschrieben. Meine, gemessen an der Anzahl der Kommentierungen, erfolgreichsten Texte waren: Das Eigene und das Fremde: Zur Sozialpsychologie der Impfgegnerschaft, Lackierte Kampfhunde: Das Auto als Waffe und männliche Selbstwertprothese, Versuch über Velophobie, und ein Text, den ich anlässlich eines Messerangriffs in Würzburg verfasst habe: Amok oder Terror? Zur Konjunktur der Messerattacken. Manche dieser Texte sind immer noch hochaktuell. Leider auch der mit dem Titel „Zur Sozialpsychologie des Nazis“ aus dem Juni 2023. Man hat mich und meine Texte bei Telepolis stets anständig und zuverlässig behandelt. Florian Rötzer, der mich irgendwann einmal aufgefordert hatte, Texte zu schicken, ist inzwischen bei Telepolis ausgeschieden und macht mit „Overtone“ sein eigenes Ding. Die Gründe für sein Ausscheiden bei Telepolis kenne ich nicht.
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Die Stadt hat die Scheiben des ehemaligen Blumen-Corso neu einsetzen lassen. Vandalen hatten diese mehrfach eingeworfen. Der Pavillon liegt etwas abseits des städtischen Getriebes, eingangs eines kleinen Parks, was den Vandalismus sicher begünstigt. Das lieferte mir vor Jahren mal den Anlass, einen größeren Text zum Thema städtischen Vandalismus zu schreiben. Es wurde damals nichts geklaut oder geraubt, es ging einfach um die Lust an der Zerstörung und das Ausagieren blinder Wut. Der Blumen-Corso war das einzige Geschäft, dass noch übrig war aus der Zeit, als ich nach Gießen kam. Die Inhaberin war eine angenehme Frau, die dort Anfang der 70er Jahre eine Lehre gemacht und dann irgendwann den Laden übernommen hat. Sie wusste damals lange nicht, ob die Versicherung für den Schaden aufkommt. Sie schätzte ihn auf circa 2.000 Euro. Nachmittags war mir vor dem Laden eine Gruppe von Trinkern aufgefallen, die am Boden neben dem Corso saß. Besonders einer tat sich mit hoher Aggressivität hervor und schrie und brüllte laut herum. Er wirkte derart bedrohlich, dass ich es vorzog, einen Umweg zu machen und ihm aus dem Weg zu gehen. Die Polizei war nach Aussage der Besitzerin des Corso mehrfach da, zog aber stets unverrichteter Dinge ab und ließ den Mann gewähren. Nachts hat er dann seinen Frust an einem vor dem Corso geparkten Auto und der Schaufensterscheibe ausgelassen. Die Polizei hat ihn später geschnappt, aber bei ihm ist nichts zu holen. Es dauerte nach der Reparatur nicht allzu lang und eine der Scheiben wurde erneut eingeschlagen und dann provisorisch durch eine Holzplatte ersetzt. Dieses Provisorium währte ungefähr ein Jahr. Jetzt sind also die Scheiben wieder eingesetzt. Ich frage mich, ob der Vandale diese Provokation hinnimmt oder ob er sich animiert fühlt, erneut zur Tat zu schreiten. Die Reparatur kann er nicht auf sich sitzen lassen. Seine Wut wird vom Intakten, Unbeschädigten entfacht. Es ist vermutlich nur eine Frage der Zeit, bis es wieder klirrt, kracht und splittert.
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„Ich lese, um nicht zu fühlen. Theoretisiere, um nicht zu begreifen. Zitiere, um nicht selbst sprechen zu müssen. Das ist meine Sucht. Meine Weltflucht. Lesen kann genauso süchtig machen wie der Alkohol und die Schwermut.“
(Leon Engler: Botanik des Wahnsinns)
Auch mir diente die Theorie lange Zeit als Mittel der Angstabwehr. Ich sargte die bedrohlich bunte und vielfältige Welt der Erfahrung in Begriffen ein, die aus dem Arsenal eines missverstandenen Marxismus stammten. Ich hielt mir das bedrohlich Fremde und Andere dadurch vom Hals, dass ich es versachlichte und in einer mechanisch-maschinellen Terminologie darüber sprach. Unbekannt-Bedrohliches wird auf diese Weise auf Bekanntes reduziert, das sich der Verarbeitungsroutine fügt: „Aha, es handelt sich um einen Fall von …“ So konnte ich einigermaßen ertragen. Aber von der saftigen Fülle der Welt war nichts mehr geblieben, nur ein klapperndes Gerüst aus Begriffen. Alles roch nach Papier. So ließ sich Wirklichkeit nicht begreifen. Anders wurde es für mich erst, als ich die Literatur und die Welt der Romane entdeckte. Plötzlich bekam die Welt Farben und Gerüche. Die Dinge, die ich erlebte und sah, waren nicht länger bloß „ein Fall von“, sondern ich bemühte mich, sie in ihrer Besonderheit zu erfassen. Ich umkreiste sie, statt sie vorschnell in ein Begriffskorsett zu sperren. Besonders Wilhelm Genazino habe ich auf diesem Weg viele Hinweise zu verdanken. Wie beschreibt man eine Taube, die auf einer Treppe zur U-Bahn hockt und an einem Brötchen herumpickt? Wie lässt sich so etwas in Worte fassen? Bei Genazino fand ich zahllose Beispiele. Manchmal sage ich, meine Texte aus der Durchhalteprosa seien „angewandter Genazinismus“, und das ist auch so. Ich verdanke ihm viel.
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In einer Buchhandlung, die eigentlich ein Kaufhaus ist, in dem unter anderem auch Bücher gibt, kommt mir eine heutige Kleinfamilie entgegen: Vater, Mutter und zwei Kinder. Als sie gerade an mir vorübergehen, sagt der vielleicht fünfjährige Knirps in Richtung seiner Mutter: „Mama, haben wir heute eigentlich schon geduscht?“ Da fiel mir ein, wie wir das in unserer Familie mit der Körperpflege hielten. Einmal in der Woche, ich glaube, es war am Freitagabend, wurde ein Bad eingelassen und nacheinander stieg die ganze Familie in die Wanne. Natürlich ohne Seife zu verwenden, denn anschließend wurde das Badewasser zum Gießen noch in den Garten getragen. Ich glaube, es war zu jener Zeit nicht nur in unserer Familie so, sondern weit verbreitet, dass man nicht täglich duschte, sondern sich auch mal am Wasserhahn mit dem Waschlappen wusch oder nichts dergleichen tat, sondern einfach so in die Schule oder ins Büro ging. Olfaktorisch wird das sicher mitunter für die Mitwelt eine Zumutung gewesen sein, aber unsere Nasen waren nicht so empfindlich. Wer sich für das Thema Gerüche und die Geschichte der olfaktorischen Sensibilität
interessiert, dem sei das wunderbare Buch von Alain Corbin „Pesthauch und Blütenduft“ empfohlen, das 1984 im Wagenbach-Verlag erschienen ist. Heute Morgen joggte vor mir eine Frau über den Rübsamensteg. Sie zog eine Duftfahne hinter sich her, die von ihrem Deo herrührte. Da wäre mir ein dezenter Schweißgeruch lieber gewesen.
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„Man wird sich seinen gesunden Menschenverstand nicht dadurch beweisen können. Dass man seinen Nachbarn einsperrt.“
(Fjodor Dostojewskij)
Im Oktober diesen Jahres wäre Michel Foucault 100 Jahre alt geworden, wenn er nicht 1984 bereits gestorben wäre. Diesen runden Geburtstag hat sein Schüler und Freund Didier Eribon zum Anlass genommen, seine Foucault-Biographie zu überarbeiten und neu herauszubringen. Das Werk erscheint im Suhrkamp-Verlag und kostet 38 Euro. Ich habe es in der ursprünglichen Fassung, die 1999 ebenfalls bei Suhrkamp erschienen ist, für 20 Mark erstanden und sogleich verschlungen. Ich habe es auch für die Gefängnisbücherei bestellt und es wurde häufig ausgeliehen, wie auch Foucaults Buch „Überwachen und Strafen“. Dieses Buch gehörte neben Jacques Mesrines Roman „Der Todestrieb“ zu den meistgelesenen Büchern im Gefängnis. Nach dem, was ich gehört habe, hat man die Bibliothek im Butzbacher Gefängnis inzwischen aufgegeben. Die Dummheit macht auch vor den Gefängnistoren nicht halt. Foucaults Portrait hing in Butzbach in meinem Büro, und viele Gefangene haben mich gefragt, wer denn dieser imposante Mann mit Glatze, Brille und schwarzem Rollkragen-Pullover sei. Michael Hesse hat das Buch von Eribon in der „Frankfurter Rundschau“ vom 25. Juli 2026 sehr anregend rezensiert. Wer Michel Foucault kennenlernen möchte, dem empfehle ich den 1976 im Merve-Verlag erschienenen Band mit Gesprächen und kurzen Texten „Mikrophysik der Macht“.
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„Es werden schon lange keine Beweise mehr gebraucht, dass man es auf der Welt nicht aushalten kann, aber hier wird gerade wieder einer geliefert.“
(Wilhelm Genazino: Ein Regenschirm für diesen Tag)
Gestern sahen wir drei junge Leute in einem Kanu die Lahn hinunter paddeln. In der Höhe des Stegs legten sie ihre Paddel ins Boot und zündeten sich eine Zigarette an. Alle drei rauchten und würden die Kippen anschließend höchstwahrscheinlich in den Fluss schnippen. Kaum anzunehmen, dass sie für ihre Kippen ein Glas oder ein anderes Behältnis mit sich führten. Wie viele Liter Wasser und wie viele Fische dadurch vergiftet werden, habe ich vor ein paar Tagen schon angedeutet. Das wird den Insassen dieses Kanus am Arsch vorbei gehen. Ihr Kanu fährt auch ohne Fische. Genauso gedankenlos kacken und pinkeln andere Paddler oberhalb des Stegs in die Wiese. Nicht nur Fäkalien, sondern auch das zum Abputzen verwendete Papier liegen im Gras. Gestern wehte der Wind den Gestank zu uns herüber. Wie kann man zuscheißen, was so gastfreundlich zu einem ist? Im Mikrokosmos der Badestelle wiederholt sich, was im Großen den Globus ruiniert: „Nach uns die Sintflut!“
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Seit ein paar Wochen existiert eine Postfiliale auf dem Seltersweg. Sie ist in die Räume des Stadtfrisörs Reinold gezogen, der sein Geschäft nach Jahrzehnten wegen zu hoher Mieten an einen anderen Ort verlegt hat. Die Post teilt sich die Räumlichkeiten nun mit einem Fotogeschäft. Also bleibt kein Raum für das Gemeinschaftsleben, das sich in der früheren Schalterhalle der Post entfalten konnte. Aber immerhin weiß ich jetzt endlich wieder, wo ich Briefmarken erstehen kann. Es fehlt nur noch ein Briefkasten vor dem Laden, in den ich die frankierten Briefe einwerfen kann. Eine Stadt ohne für alle sichtbare Post ist keine richtige Stadt. Ein aufmerksamer Leser meiner Kolumne und ehemaliger Postmitarbeiter rief mich dieser Tage an und schlug vor, den Briefkasten, der eingangs der Plockstraße unweit der „Drei Schwätzer“ steht, vor die neue Postfiliale zu verpflanzen. Er müsste also nur 25 Meter weit bewegt werden und fände dort einen deutlich besseren Standort als jetzt. Er stellt ein Überbleibsel aus der alten Plockstraße dar und ist inzwischen Teil eines Cafés geworden. Oft ist er von Fahrrädern und Tischen und Stühlen so zugestellt, dass man kaum zu ihm gelangen kann. Irgendeine Stadtverrückte stopft ihn außerdem gelegentlich mit Büchern aus dem ein paar Meter weiter stehenden öffentlichen Bücherschrank voll. Neulich hörte ich den Mann, der im Auftrag der Post den Briefkasten leert, fluchen, weil der Kasten mit Büchern so angefüllt war, dass für Briefe gar kein Platz mehr war. Die Frau quetsche die Bücher vermutlich in den Briefkasten, weil sie annehme, dass sie auf diese Weise an irgendwelche Leser verschickt würden. Vielleicht denke sie sich auch gar nichts dabei und sei einfach nur verrückt. Es spricht jedenfalls einiges dafür, den Briefkasten an den neuen Standort zu versetzen. Es dürfte kein großer und teurer Akt sein, den Briefkasten 25 Meter zu verpflanzen. Er würde die Passanten auf die Existenz der neuen Postfiliale hinweisen und dieser zu mehr Sichtbarkeit verhelfen. Alle hätten etwas davon.
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Gestern Morgen absolvierte eine Frau an meiner Badestelle ihr Gymnastikprogramm. Sie war joggen und nutze nun das Geländer, um sich zu dehnen und zu strecken. Wir grüßten uns und wechselten ein paar belanglose Worte, wie man es unter Fremden tut. Ihr Akzent verriet, dass sie aus Russland oder der Ukraine stammte. Ich höre diesen Akzent gern. „Was für ein schöner Morgen!“, sagte sie und zum Abschied: „Gott segne dich.“ Wann habe ich das zum letzten Mal gehört? Im seltsamen Kontrast zu ihrer zur Schau gestellten Gläubigkeit stand ihr grelles Mak-up. Das passte für mich nicht zusammen, aber vielleicht sehe ich das zu eng und altmodisch. Warum sollen Christinnen sich nicht aufbrezeln dürfen? Als sie weiterlief, winkte sie mir von der Straße her noch einmal zu, dann setzte sie Kopfhörer auf und verschwand.
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Anderntags pflückte ich mir auf dem Weg zur Badestelle am Wegesrand eine Handvoll reife Brombeeren. Als ich sie auf der Handfläche sammelte, krochen etliche Ameisen hervor, die sich an den Früchten gütlich getan hatten. Ich pustete sie fort und störte mich nicht an diesen Mit- oder Voressern. Die reifen Früchte schmeckten köstlich. Wie immer kann man an die schönsten Früchte nicht heranreichen, weil sie zu hoch hängen. Den Geschmack hatte ich noch auf der Zunge, als ich durch die Lahn schwamm.
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In der Nacht hat es ein Gewitter gegeben und heftig geregnet. Als ich am Morgen zur Lahn fuhr, stieg Nebel aus Feldern und Wiesen. Auch über dem Fluss lag eine Schicht weißen Nebels. Die mir so vertraute Landschaft war wie verwandelt. Die Sonne leckte den Nebel im Laufe der nächsten Stunde auf. Als ich nach Hause radelte, war nichts mehr von ihm zu sehen. Ein Spuk, der sich im Sonnenlicht auflöst. Der mit dem Gewitter einhergehende Sturm war so heftig, dass er das Schild, das über dem Steg hing und auf die Eigentumsverhältnisse hinwies, abgerissen hatte. Es liegt nun ein paar Meter flussabwärts und leuchtet weiß aus dem Wasser. Kleinere Äste und jede Menge Blätter trieben auf dem Fluss dahin. Als ich herausstieg klebte ein Blatt auf meiner Brust. Ich hoffe, dass es nicht, wie in der Nibelungensage, die Stelle meiner Verwundbarkeit markiert. Aber ich habe nicht in Drachenblut gebadet und bin außerdem kein Held. Die Hornhaut, die Siegfried dem Bad im Drachenblut verdankt, hat sich bei uns auf der Seele gebildet. Schutz vor Verletzungen bietet sie nur sehr bedingt.
Auf dem Heimweg kreuzte ein rotes Eichhörnchen meinen Weg. Es trug eine frühe Haselnuss im Maul.
Der schwarze Mann, der jeden Morgen unter meinem Balkon vorübergeht und über eine Bluetooth-Box in seinem Rucksack mordslaut Musik hört, führte heute eine rot lackierte Lanze mit sich, an der eine weiße Maske hing. Wo und womit er seine Tage verbringt, weiß ich nicht, Vermutlich im Nichts und mit nichts. Wenn soziale Isolation sich mit psychischer Instabilität, oder gar einer Psychose paart, brütet das gelegentlich Schlimmes aus.
Während des Frühstücks gingen unten hintereinander drei Menschen ohne Smartphone vorüber.
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„Ich glaube, dass etwas weniger mehr wäre. Wir leben, um mit Lévi-Strauss zu sprechen, in einer zu ‚heißen‘ Kultur, wir leben zu schnell, zu aufwendig, zu brutal, zu spitz, zu metallen … Das gilt auch für unsere Wissenschaft, die in ihrer Maßlosigkeit und Aufdringlichkeit alles das totschlägt, was eine etwas sanftere Stimme hat und sich vor Laboratoriumsbeleuchtung und verkrampften Fragestellungen zurückzieht.“
(Hans Peter Duerr: Satyricon)
In einer Fernsehsendung wurde gezeigt, wie Forscher einen seltenen Hai mit einer Angel fingen, an ihr Boot heranzogen und mit Seilen fesselten. Dann bohrten sie ihm mit einem elektrischen Bohrer vier Löcher in die Flossen und besenderten ihn. Das diene der Erforschung seiner Lebensgewohnheiten und seiner Bewegung. Es geschehe zu seinem Schutz. Könnte man ihm nicht anders beispringen, auf eine sanftere Weise? Die Wissenschaftler in dem Beitrag waren stolz auf das, was sie taten und von keinerlei Zweifel angekränkelt. Mich erinnerte die Argumentation der Forscher an die Erklärungen, die meine Eltern vorbrachten, wenn sie uns gezüchtigt hatten. Das geschehe nur zu unserem Besten. Es bereite ihnen keine Freude, aber es müsse sein, sei ihre Pflicht. Später würden wir ihnen dankbar sein. Die Praxis vieler Forscher ist als Wissenschaft verkleidete „schwarze Pädagogik“.
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Mein Bekannter aus dem ehemaligen Jugoslawien hat „aus Versehen“ eine Schachtel Biopralinen gekauft. Er habe seinen Fehlgriff erst zu Hause bemerkt. Er habe die Pralinen trotzdem gegessen. Sie hätten geschmeckt, wie Pralinen eben schmecken. Nichts Besonderes. Damit ihm so etwas nicht noch einmal passiere, werde er in Zukunft besser aufpassen und die Verpackung genauer studieren. „Bio“ ist für ihn nicht nur eine Ernährungsweise, sondern steht für eine Lebens- und Existenzweise, die er ablehnt, weil sie seine Welt bedroht.
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Die von mir sehr geschätzte österreichische Schriftstellerin Monika Helfer ist am Sonntag im Alter von 78 Jahren an den Folgen eines Sturzes gestorben. Ihren Roman „Die Bagage“ haben U und ich uns gegenseitig vorgelesen und ihn beide sehr gemocht. Es ist die facettenreiche Geschichte einer Familie und des sie umgebenden Dorfes in Vorarlberg zur Zeit des Ersten Weltkriegs. Es ist die Geschichte ihrer Großeltern. Ich merke gerade, dass unsere Lektüre lang zurückliegt und dass ich das Buch noch einmal lesen sollte. Woher nimmt Österreich nur all die famosen Schriftstellerinnen und Schriftsteller?
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Das Robert-Koch-Institut hat seine Angaben zur Anzahl der Hitzetoten korrigiert. Man geht dort inzwischen von rund 12.000 Menschen aus, die an der Folge der extremen Hitze gestorben sind. Und das Jahr und die Hitze sind auch noch nicht vorüber. Es sind viele ältere Menschen und Menschen mit Vorerkrankungen darunter, die besonders unter der Hitze zu leiden hätten und besser geschützt werden müssten.
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Regionale Kassenärztliche Vereinigungen und einzelne Krankenkassen haben mit Investitionen in windige Immobilienfonds Millionen verzockt. Bevor man den Versicherten höhere Beiträge auferlegt, sollte man in diesem Bereich nach Einsparmöglichkeiten suchen. Die Rede ist von 220 Millionen Euro, die auf diese Weise verloren gegangen sind. Fragt sich, ob die FIFA oder die Kassenärztliche Vereinigung krimineller ist. Beide werden jedenfalls ungeschoren davonkommen. Infantino hat mit einem Teil der bei der WM erbeuteten Milliarden seine Vasallen geschmiert und sich auf diese Weise ihrer Loyalität versichert. Gestern fand in Marokko ein großes Mafia-Treffen statt, auf dem die Vasallen Infantino ihre Loyalität zusicherten.
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Worauf können wir noch hoffen?
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Bei der Suche nach dem Absender der Drohne, die man auf dem Flughafen Leipzig-Halle gefunden hat, wird nach dem Motto verfahren: „Ob Wilhelm Tell gelebt hat, weiß man nicht. Aber dass er den Landvogt Gessler umgebracht hat, steht fest.“
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